Von der Wiege zur Wiege – Die Kreislaufwirtschaft ohne Abfall


‚The cradle of the future, is the grave of the past.‘ Franz Grillparzer


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Zum Start dieser Woche treten die bundesweiten Lockerungen in Bezug auf die Corona-Schutzmaßnahmen in Kraft. Ab heute heißt es, wenn man rausgeht: ‚Mundschutz nicht vergessen!‘ Trotz der Lockerungen ein kleiner Appell an Dich: Halte dich nach wie vor an Abstandsregelungen, bleib so viel wie möglich zuhause & verhalte Dich rücksichtsvoll gegenüber deinen Mitmenschen. Mit vereinter Kraft, hat Corona keine Chance!

#renews #against #corona


An diesem sonnigen Montag gibt es erneut einen kürzeren, dafür aber nicht weniger bedeutenden Artikel. Heute werfen wir einen Blick auf ein in der Theorie sehr einfaches Prinzip, welches sich in der tatsächlichen Umsetzung im Rahmen unserer Gesellschaft dann doch als etwas schwieriger erweist. Heute geht es nicht um Reduktion (von Flügen, Emissionen oder CO2), sondern um ein Umdenken in großem Stil. Weg von einer Wegwerfgesellschaft, hin zu einer der Natur nachempfundenen Kreislaufwirtschaft.

Was genau bedeutet Kreislaufwirtschaft? Wie funktioniert unser Produktionssystem bisher? Wie gehen wir mit unseren begrenzten Ressourcen um? Kann ein alternatives Konzept helfen, hier einen nachhaltigen Unterschied machen? Antworten auf diese und weitere Fragen bekommst Du heute in: CRADLE TO CRADLE – Von der Wiege zur Wiege – Die Kreislaufwirtschaft ohne Abfall


CRADLE TO CRADLE

Neben dem Klimawandel, der Umweltverschmutzung und starken sozialen Ungerechtigkeiten, existiert in unserer modernen Gesellschaft ein weiteres großes Problem. Die Ressourcen-Knappheit. So gut wie alle Materialen, auf welchen unser Wohlstand durch Produktion fußt, sind endlich. Wir verbrauchen Stück für Stück mehr, bis einmal gar nichts mehr übrig ist. Irgendwann (im einen Fall früher, im anderen Fall später), werden die Ressourcen aufgebraucht sein. Da wir der Erde, welche die Ressourcen für uns überhaupt erst zur Verfügung stellt, die Möglichkeit nehmen entsprechend Regeneration zu betreiben, wir dann auch nichts mehr nachkommen. Innerhalb eines begrenzten (planetaren) Rahmens, gibt es keine Unendlichkeit. Weder an Ressourcen noch an Wachstum.

Das eigentliche Problem liegt nämlich nicht in der finiten Verfügbarkeit von Material. Vielmehr erschaffen wir das Problem selbst. Unsere moderne Gesellschaft ist durch betriebswirtschaftliche Mechanismen zu einer Wegwerfgesellschaft geworden. So gut wie jedes Produkt landet am Ende seines (oft viel zu kurzen) Lebens im Müll.

Klar! Es soll dann ja auch wieder ein neues Produkt gekauft werden, um für Ersatz & volle Kassen im Unternehmen zu sorgen. Was jedoch nicht bedacht wird, ist welch rießige Menge an Ressourcen damit auch im Müll landet. Tagtäglich entsorgen wir im großen Stil endliche und damit sehr wertvolle Ressourcen. Interessiert das jemanden? Nein.


Das Problem: Cradle to Grave

Bisher funktioniert unsere Wirtschaft nach dem Prinzip ‚Cradle to Grave‘. Das bedeutet so viel wie ‚Von der Wiege ins Grab‘. Dieser Ausspruch steht sinnbildlich für den standardmäßigen Ablauf im Lebenszyklus eines Produktes.

Ganz am Anfang steht die Herstellung. Hier wird das Produkt geboren. Um ein Produkt zu erschaffen braucht es zwei grundlegende Dinge. Die nötigen Ressourcen, sowie einen Plan, wie das Produkt aussehen soll. Die Ressourcen beschafft man sich aus der Natur. Eine besonders große Bedeutung haben dabei über viele Jahre zerlegte und dadurch aufbereitete Nährstoffe. Die fossilen Energieträger wie zum Beispiel Öl (Basis für Plastik). Teil Zwei, ein Plan für das Produktdesign kommt aus den glorreichen Schmieden der Konzerne. Hier wird sich überlegt, was ein Produkt können soll, wie es aus zu sehen hat & wie lange es halten darf. Ja wirklich. Auch die Haltbarkeit der Produkte ist von Anfang an geplant (vgl. geplante Obsoleszenz). Mit beiden ‚Zutaten‘ kann jetzt endlich produziert werden. Es kommt zur Geburtsstunde des Produkts.

Aus der Wiege der Produktion macht sich das Konsumgut auf den Weg, den ihm angedachten Zweck zu erfüllen. Einmal im Wirtschaftskreislauf angekommen, wird es vom Konsumenten solange be-/genutzt, bis es unbrauchbar geworden ist. Verbrauchsgüter wie Verpackungen landen dann genauso im Müll wie technische Produkte. Das ist generell schon mal besser, als wenn Müll direkt in die Umwelt gelangt, verschwendet aber Ressourcen in ungeheuren Mengen. Denn der Großteil unseres Mülls wird thermisch verwertet, also verbrannt.


Ein Strand in Ghana zeigt: Eine der schlimmsten Formen der menschlichen Verschmutzung. Das Plastikproblem im Meer und an Stränden. (Quelle: Wikipedia)

Es gibt zwar Bemühungen zu Recycling, mit einer Quote von circa 40% (faz.net) in der EU ist das aber nicht besonders effektiv. Und die EU ist hierbei weltweit schon als Vorbild zu sehen. Die niedrige Quote ist aber auch kein Wunder: Im Produktdesign wird so gut wie nie darüber gedacht, wie mit dem erstellten Gut nach Ablauf seiner Lebenszeit verfahren werden soll. Unternehmen sind nicht für die Entsorgung ihrer Produkte verantwortlich. So zählen lediglich betriebswirtschaftliche Faktoren, wenn es darum geht ein Produkt perfekt zu machen.

Michael Braungart, der Entwickler von ‚Cradle to Cradle‘, bringt das folgendermaßen auf den Punkt: ‚We’re making the wrong products perfect, only to end up with perfectly wrong products.‘ Wir perfektionieren über Jahre die falschen Produkte (umweltschädlich / nicht nachhaltig), nur um es dann noch schwerer zu haben, wenn wir unsere perfekt falschen Produkte doch einmal überdenken müssen. ‚The human species is the only species producing waste. Every other species ‚waste‘ can be used by further species. Humans are turning their home into a global waste dump site. This makes humanity the most stupid species on the planet.‘ (Zitat aus: Change Makers – Michael Braungart)


Leider treibt das zugrunde liegende Prinzip in unserer kapitalistischen Wirtschaft diese Entwicklung weiter an. Wachstum als Grundsatz fügt dem Planeten mehr und mehr Schaden zu. Wirtschaftswachstum bedeutet von Jahr zu Jahr mehr Konsum, damit mehr Produktion und hieraus ebenso ein steigender Ressourcen-Verbrauch. Jährlich beschleunigen wir also die Ausbeutung des Planeten und verkürzen dabei die Zeit die uns noch bleibt, bevor die endlichen Materialquellen erschöpft sind. Wollen wir weiterhin Wohlstand und Konsum genießen, so muss dringend eine Alternative her. Es gilt umzudenken. Weg von Cradle to Grave, hin zu Cradle to Cradle. Das Grab des einen Produkts, wird zur Wiege eines Neuen.


Die Lösung: Cradle to Cradle

Normalerweise führt der Gedanke an Klima- & Umweltschutz zu Bemühungen, den negativen Einfluss auf die Umwelt zu verringern. Emissionen sollen reduziert werden, Energie gespart und Produkte umweltfreundlicher designt werden. Im Allgemeinen geht es um eine Verringerung des ökologischen Fußabdrucks. Doch Michael Braungart sieht genau diese ‚positive‘ Veränderung als nicht besonders attraktiv und nicht zielführend.

‚Die Leute denken, Umweltschutz bedeutet weniger Schweinereien zu begehen. Das wäre das gleiche, wie wenn man sagt: Ich schütze mein Kind. Statt 10 Mal schlage ich es nur noch 5 Mal am Tag. Das macht keinen Sinn.‘ sagte der C2C Begründer gegenüber FOCUS. Auch Nachhaltigkeit ist für den gelernten Verfahrenstechniker ein Reizwort. ‚Wir wollen nicht nur einen gleich guten Planeten an nachfolgende Generationen überlassen. Wir sollten danach streben einen positiven Einfluss auf die Erde zu haben.‘

Aus dieser Kritik heraus entstand gemeinsam mit dem amerikanischen Architekten William McDonough die Idee zu Cradle to Cradle. Den Grundstein legt ihr 2003 veröffentlichtes Buch: Cradle to Cradle: Einfach intelligent produzieren. Nach dem Vorbild der Natur, in der Abfall nicht existiert, da jedes Zwischenprodukt genutzt wird, entwickeln die Beiden das vorherrschende Cradle to Grave weiter. Heraus kommt: Ein Modell für industrielle Prozesse, in dem alle Materialien in geschlossenen biologischen oder technischen Kreisläufen fließen. „Abfälle“ existieren in diesem Sinne nicht, d.h. „Abfall“ ist – wie in der Natur – gleichbedeutend mit „Nahrung“ (C2C Design Konzept).


Das Grundprinzip von C2C. Die Nährstoffe zirkulieren in zwei Kreisläufen. Biosphere & Technosphere. (Quelle: EPEA)

Cradle to Cradle beschreibt die sichere und potenziell unendliche Zirkulation von Ressourcen (‚Nährstoffen‘) in zwei Zyklen. Alle verwendeten Materialien sind vollständig recycelbar. Müll wie er heutzutage in Massen aus dem Cradle to Grave Mechanismus entsteht, existiert nicht mehr. Es bleiben einzig und allein nützliche Nährstoffe.

Im biologischen Zyklus sollen Produkte wie Verpackungen, Textilien oder auch Reinigungsmittel strömen. Nach der Nutzung wird das jeweilige Verbrauchsgut ganz einfach biologisch abgebaut oder in andere nützliche Teile zerlegt, um dann für die Herstellung neuer Güter zu dienen. So verwandeln sich alte Produkte nicht in Müll, sondern in wertvolle Nährstoffe für neue Produkte.

Im technischen Zyklus rotieren Gebrauchsgüter, wie ein Computer, ein Fernseher oder das Mobiltelefon. Bereits im Produktdesign und während der Herstellung wird das nächste Leben der Güter, als Basis für neue Produkte geplant und berücksichtigt. Nach Gebrauch kann dann jedes alte Produkt in seine Bestandteile zerlegt werden und daraufhin den technischen Zyklus neu antreiben. So lässt sich durchgehend hohe Materialqualität, ohne Verluste sicherstellen und Downcycling abwenden. (Downcycling = Recycling verbunden mit Materialverlust/Wertverlust)


Die beiden Kreisläufe bauen zudem auf drei fundamentalen Prinzipien auf:

1) Nährstoff bleibt Nährstoff

Wie in der natürlichen Welt, tragen die Prozesse jedes Organismus, der an einem lebenden System beteiligt ist, zur Gesundheit des Ganzen bei. Die Blüten eines Baumes zum Beispiel fallen auf den Boden, wo sie sich zersetzen und andere Organismen ernähren.


2) Erneuerbare Energien

Die Herstellung von Produkten in Systemen ist in der Lage, die natürliche Energie der Sonne auf vielfältige Weise gewinnbringend und produktiv zu nutzen. Windkraft, Wasserkraft, Geothermie und Biomasse sind nutzbare erneuerbare Energiequellen.


3) Vielfalt fördern

Natürliche Systeme funktionieren und gedeihen durch ihre Komplexität; Die Natur fördert eine fast unendliche Vielfalt an Designs, wodurch Systeme flexibel und gleichzeitig widerstandsfähig werden. Bei der Anwendung dieses Prinzips auf unser Wirtschafts- und Wertesystem wird die biologische, kulturelle, soziale und konzeptionelle Vielfalt gefördert und angepasste Lösungen begünstigt.


Die Cradle to Cradle Initiative wird von Braungart am EPEA (Environmental Protection Encouragement Agency) in Hamburg aktiv gefördert. Dazu wurde ein eigenes Label eingeführt, welches Cradle to Cradle Produkte offiziell zertifiziert. Bereits 11.000 Cradle to Cradle Produkte wurden in enger Zusammenarbeit mit der Industrie bis heute bereits designt. So zu Beispiel auch ein kompostierbarer Sitzbezug.

Die Bezüge, welche bei Lufthansa und Thai Airways im Einsatz sind bestehen aus einer besonderen Mischung aus Wolle und Ramie, einem besonderen Faserstoff aus China. Sogar essbar sei der Bezug durch seine umweltverträgliche Zusammensetzung. Durch die innovative Entwicklung dieser Textil-Alternative können große Mengen an Giftstoffen vermieden werden. Möbelstoffe sind teilweise so sehr damit versetzt, dass nach dem Ableben nur noch die Verbrennung als Sondermüll verbleibt. Der neue Ramie-Bezug wird dagegen nach ein paar Wochen ganz einfach zu Torf und kann z.B. in einer Gärtnerei wiederverwendet werden.


Auch in weitere Unternehmen hat Cradle to Cradle Einzug gehalten. Die Firma Schwalbe, welche Fahrradreifen produziert, verwendet Cradle to Cradle bei der Produktion von neuen Fahrradschläuchen. Alte Schläuche werden dabei zu 100% recycelt und in neuen Produkten verwertet.

Egal ob in der Druckindustrie (Gugler), der Textilbranche (Trigema) oder bei Klopapier (WEPA). Überall ist Cradle to Cradle bereits heute schon präsent. Und der Siegeszug ist noch lange nicht vorbei, denn: Cradle to Cradle Produkte schlagen oftmals ihre herkömmlichen Konkurrenten im Preis. Dadurch, dass Abfallprobleme und Schutzmaßnahmen wegfallen, spart der kompostierbare Sitzbezug circa 20% in den Herstellkosten. #nice #auch #für #capitalism


Braungart blick optimistisch und zufrieden auf sein Konzept. „Früher dachte ich, es dauert 100 Jahre, doch wenn die Umsetzungs-Geschwindigkeit so bleibt, dann wird vor 2050 alles Cradle-to-Cradle sein“, prognostiziert er. „Die Frage ist nur, ob wir schnell genug sind.“ Denn die Zerstörung sei leider immer noch viel schneller.

Das war’s dann auch wieder für heute. Vielen Dank für Deine Zeit. Lass gerne Deine Meinung zu Cradle to Cradle in den Kommentaren da! Wir glaube es ist ein Konzept, reif für unsere nachhaltige Zukunft! #greenfuture #bethechange


Stay safe & flatten the curve (even more)! Bleib gesund! #renews #against #covid

Peace out & bis nächste Woche.

Yannis von RENEWS

#sustainability #cyclical #economy #renews


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ZUM WEITERLESEN:

Wie gehen wir wirklich mit unserem Müll um? Plastik Recycling in Deutschland (FOCUS): https://www.faz.net/aktuell/generation-plastik/plastik-recycling-in-deutschland-wie-ist-die-recyclingquote-15782613.html

Du stehst auf Recht? Dann check das Kreislaufwirtschaftsgesetz – So ist unsere wirtschaftliche Umweltverträglichkeit rechtlich verankert: https://www.gesetze-im-internet.de/krwg/KrWG.pdf

Keinen Bock zu lesen? Video: The Change Makers – Michael Braungart:


Hauptquelle: FOCUS Online (2019): Cradle to Cradle – Gespräch mit Michael Braungart https://www.focus.de/perspektiven/mutmacher/cradle-to-cradle-cradle-to-cradle_id_10596055.html (27.04.2020)

Quelle 2: EPEA Hamburg (2020): Cradle to Cradle

https://epea.com/en/about-us/cradle-to-cradle (27.04.2020)


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