Passivhaus – Energiepositives Wohnen


„Natürlich interessiert mich die Zukunft. Ich will schließlich den Rest meines Lebens darin verbringen.“
Mark Twain


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Auch heute kommt wieder ein spannendes Thema auf Dich zu. An diesem wunderschönen Montag voller Sonnenschein, knüpfen wir an das mit dem letzten Artikel aufgegriffene Thema ’nachhaltige Städte‘ an. Den letzten Artikel hast du verpasst? Kein Problem – Hier findest Du ihn: ECOPOLIS – Stadt der Zukunft.


Heute wollen wir das große Ganze etwas hinter uns lassen und auf die kleinen Bausteine für eine nachhaltigere Gesellschaft blicken. Deshalb geht es heute um Passivhäuser. Eine vielversprechende Möglichkeit, um in Zukunft unsere eigenen vier Wände nachhaltig, ökologisch aber auch ökonomisch zu optimieren! Was genau ein Passivhaus ist, wie das Konzept funktioniert und einige Beispiele von bereits gebauten Passivhäusern liefern wir Dir heute in: FUTURE LIVING – Passivhaus – Energiepositives Wohnen.


FUTURE LIVING

Bevor es um die Vorteile eines Passivhaus gehen kann, muss natürlich erstmal geklärt werden, was ein Passivhaus überhaupt ist. Beim Passivhaus handelt es sich um einen inzwischen international bekannten Standard für Gebäude. Das Konzept stammt vom deutschen Physiker Wolfgang Feist. Dieser suchte gemeinsam mit seinem Bauphysik Kollegen Bo Adamson bereits 1988 nach der Zukunft im Gebäudesektor. Die Beiden entwickelten über die Jahre bis 1991 ein Konzept, um Gebäude energieeffizienter und nachhaltiger zu gestalten.


So geht’s! Das sind die Grundprinzipien im Passivhaus. (Quelle: Passivhaus Institut)

Das Ergebnis waren fünf Kritierien, welche ein Passivhaus auszeichnen sollen:

1) Ein besonders gutes Maß an Dämmung

2) Sehr gut isolierte Fenster mit Mehrfachverglasung

3) Wärmebrückenfreie* Konstruktion

4) Eine luftdichte Gebäudehülle

5) Automatische, hocheffiziente Lüftung mit Wärmerückgewinnung


*Was ist eine Wärmebrücke? Wärmebrücke = Hausbereich, welcher idealen Wärmeaustausch ermöglicht; z.B. Raumecke; oft bildet sich an Wärmebrücken aufgrund erhöhter Kondensation Schimmel; Wärmebrücken sind regelrechte Wärmefresser & aus Effizienzgründen strikt zu vermeiden!


Nach Fertigstellung der wissenschaftlichen Grundlage, wurde das Konzept noch im selben Jahr an einem Mehrfamilienhaus in Darmstadt erprobt. Die Ergebnisse sind beeindruckend. Bis heute (über 25 Jahre später) funktioniert der Passivhaus-Standard einwandfrei. Der Mehrfamilienkomplex Darmstadt-Kranichstein ging damit, als erstes Passivhaus weltweit, in die Geschichte ein. Seitdem ist die Beliebtheit von Passivhäusern stark angestiegen. Das Feist’sche Konzept erfreut sich internationaler Bekanntheit und findet bereits in über 40 Ländern praktische Anwendung. Ein Passivhaus ist also die Kombination aus einer Wohnanlage mit bestem Wohnklima zu jeder Jahreszeit, durch besonders gute Dämmung, ohne separates Heizsystem und dadurch einem ausgesprochen geringen Energieverbrauch (Passivhausinstitut).


Vorteile des Passivhaus

Ein Passivhaus bietet eine realistische Lösung für ein ökonomisches Gebäude, welches höchsten Wohnkomfort garantiert und gleichzeitig den Energiebedarf für Heizung und Kühlung minimiert. Im Vergleich zu konventionellen Gebäuden, verbraucht ein Passivhaus mehr als 90% weniger Energie. Das entspricht nur noch einem Äquivalenzverbrauch von 1,5 Liter Öl im Jahr, um einen Quadratmeter Wohnfläche zu beheizen.

Das Praktische: Die Hausbewohner, ihre elektrischen Geräte und vor allem die Sonne sorgen für ausreichend Wärme während einem Großteil des Jahres. So besteht meist kein Bedarf für zusätzliche Beheizung. In Extremsituationen besteht aber die Möglichkeit, über den hausinternen Warmwasserspeicher die Zuluft der Lüftungsanlage zusätzlich zu beheizen. Sollte die aus der Abluft abgegebene Wärme nicht ausreichen, z.B. in einem extremen Winter, so kann durch die Wärmeabgabe des Wassers ein angenehmes Wohnklima garantiert werden.

(Übrigens: In der Lüftungsanlage geschieht der Wärmeaustausch von Ab- und Zuluft mit einem Wirkungsgrad von knapp 90%. Die restlichen 10% gehen jedoch nicht verloren, sondern werden in einer Mini-Luft-Wärmepumpe zur Erwärmung des Warmwasserspeichers genutzt. #nice So geht Energieeffizienz!).


Welches ist hier wohl das Passivhaus? Mit einer Wärmebildkamera ist auch von außen die Energieeffizienz bestens zu erkennen. Das macht also gute Dämmung aus. (Quelle: iPHA)

Besonders in Zeiten der globalen Erwärmung und (früher oder später) steigenden Energiepreisen ist ein Passivhaus von großem Vorteil. Durch den geringen Bedarf an Heizenergie, entsteht eine gewisse Unabhängigkeit vom weltweiten Energiemarkt. Vor Allem die Preise für fossile Energieträger werden in Zukunft aufgrund zunehmender Knappheit wohl stark ansteigen. Ein wohnlich warmes Eigenheim, weitestgehend unabhängig von der Versorgung durch fossile Energie, ist in solchen Zeiten von großem Wert.

Außerdem funktioniert das Passivhaus in jeder Klimazone. Mit entsprechenden Anpassungen und der richtigen Planung (hier gilt beim Passivhaus sowieso immer größte Sorgfalt) kann sowohl in Norwegen als auch in Afrika ein funktionierendes Passivhaus höchsteffizient bewohnt werden.

Ebenfalls vermindert sich durch die Vermeidung von Wärmebrücken im Haus die Gefahr für Feuchtigkeit und Schimmel. Beides entsteht nämlich vor allem durch die bei der Kondensation von warmer zu kühler Luft frei werdende Feuchtigkeit. Ohne kalte Ecken und durch gute Dämmung wird dieser Faktor eliminiert. Das erhöht den Wohnkomfort, die Gesundheit der Bewohner und auch die Langlebigkeit des Gebäudes. Win-Win-Win!

Wer jetzt übrigens denkt, ein Passivhaus ist ja total kompliziert und bestimmt total anstrengend zu bewohnen, der liegt ganz klar falsch! In Sachen Nutzerverhalten müssen im Passivhaus keine Anpassungen geschehen. Es kann ganz normal gelüftet werden, der Wärmehaushalt reguliert sich von selbst und sogar im Sommer bei hohen Temperaturen bleibt das Passivhaus durch seine optimale Dämmung innen angenehm kühl. Durch die automatische Belüftung verringert sich der Bewohneraufwand sogar eher noch. Da die Luft automatisch ausgetauscht wird, besteht das Bedürfnis zu Lüften weniger oft. Gleichzeitig entsteht ein zu jeder Zeit optimales Wohn- und Arbeitsklima. #probs #to #passivhaus


Das Passivhaus und die Erneuerbaren: Optimale Kombination!

Passiv“ wird das Passivhaus durch seinen enorm niedrigen Energiebedarf. Es kann jedoch natürlich nie von vollständiger Passivität gesprochen werden, da ein gewisser Anteil an Energieverbrauch immer bestehen bleibt, um ein komfortables Leben mit all seinen Vorzügen gewährleisten zu können. Konventionell wird dieser verbleibende Bedarf durch fossile Energien abgedeckt. Das erzeugt CO2 (zwar deutlich weniger als in Standard-Gebäuden, aber dennoch) und belastet die Umwelt. Schön, dass man da noch einen Schritt weiter gehen kann!

Kombiniert man ein Passivhaus mit erneuerbarer Energie, so erhält man die nachhaltig, umweltfreundliche Lösung für menschliches Wohnen der Zukunft. Installiert man eine Solaranlage auf dem Dach des Passivhaus, so lässt sich der hausinterne Strombedarf erneuerbar und damit klimaneutral decken.

Ersetzt man die konventionelle Warmwasserbereitung mit Öl, durch eine Pelletfeuerung, so steigt man auf einen nachhaltigen und regenerativen Brennstoff um. Durch das im Holz gebundene CO2, wird auch dieser Prozess klimaneutral.

Noch besser: Die Heizung auf dem Dach. Warmwasser lässt sich bei uns in Europa bestens mit Hilfe von Solarthermie bereiten. Hierbei wird jeglicher Brennstoff überflüssig, da die Sonne das Wasser erwärmt.

Mit diesen und weiteren Maßnahmen, lässt sich das Passivhaus ganz schnell zu einem „Null-Energie“ oder sogar „Plus-Energie“ Haus verwandeln. Vollkommen unabhängig von außer-häuslichen Energiequellen oder sogar ein Gewinn für das Energiesystem der Gesellschaft.


Kosten

Nach all den Vorteilen und der Lobpreisung des Passivhaus muss doch nun der Nachteil kommen. Die enorm hohen Kosten. Warum gibt es denn sonst bisher nur wenige (2013: 50.000) Passivhäuser?

Leider falsch. Das mit den Kosten stimmt nämlich nur so teilweise. Betrachtet man alleinig die Investitionskosten für ein Passivhaus, so liegen diese tatsächlich in den meisten Fällen höher als bei der konventionellen Bauweise. In etwas gilt es mit 10% zusätzlichen Kosten bei der Anschaffung zu rechnen (energiesparen-im-haushalt.de). Das sind aber natürlich nicht die einzigen Kosten die in Zusammenhang mit einem Haus stehen.

Geht man nur einen Schritt weiter und bezieht die laufenden Kosten in die Berechnung mit ein, so hat das Passivhaus schnell wieder die Nase vorn. Aufgrund des enorm niedrigen Energiebedarfs im Passivhaus, fallen pro Jahr durchschnittlich circa 1000€ weniger an. Allein bedingt durch die Brennstoffeinsparungen von Öl oder Gas. Auf die gesamte Nutzungsdauer eines Hauses ergibt sich ein insgesamter Kostenvorteil von circa 100.000 Euro (energiesparen-im-haushalt.de).

In den meisten Fällen wirkt zudem die alternative Warmwasser-Erzeugung im Passivhaus preissenkend. Dadurch, dass man nur eine viel kleinere Heizung einbaut, spart man im Vergleich zu größeren Brennermodellen oftmals Geld.

Zuletzt gibt es noch einen weiteren Einflussfaktor auf die Kosten. Da auch die Regierung den gesellschaftlichen und vor allem ökologischen Wert eines Passivhaus erkannt hat, bestehen inzwischen mehrere Förderinitiativen für nachhaltige Bauprojekte. So kann zum Beispiel von der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) eine Förderung von bis zu 100.000€ beantragt werden (energiesparen-im-haushalt.de). Dies geschieht meist durch attraktive Kreditverträge oder Zuschusszahlungen. Gemeinsam mit dem von der KfW verlangten Energie-Berater, lässt sich das Passivhaus gut planen und passende Förderungen identifizieren. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe!


Fazit

Zusammenfassend lässt sich ein Passivhaus wie folgt beschreiben: Ein in höchstem Maße energieeffizientes Gebäude, welches durch hervorragende Dämmung (Wände/Fenster) und automatische Belüftung Energie einspart und gleichzeitig ein optimales Wohnklima erschafft. Es bestehen lediglich Anforderungen an energetische Werte, nicht jedoch an Design und Architektur. Wie ein Passivhaus von außen aussieht, kann also jeder selbst entscheiden.

Dass die Passivhausbauweise bisher nur eine Nische beansprucht, liegt auf jeden Fall nicht an den mit dem Haus verbundenen Kosten. Diese erweisen sich über die (oft längere, als bei konventionellen Projekten) Nutzungsdauer des Hauses nämlich tatsächlich als geringer.

Das Passivhaus ist das Wohn- & Arbeitsgebäude der Zukunft.

So wird der Gebäudesektor fit for future!


Falls du jetzt Lust bekommen hast, auch dein eigenes Zuhause energetisch zu optimieren, schau doch mal hier vorbei: SUSTAINABLE HOME – Energiespartipps für Zuhause.

Mit unseren Tipps zum Energiesparen kannst du ganz leicht von der Couch aus deinen Energieverbrauch senken, CO2 vermeiden und das Klima schützen!


#saveearth #everybody #is #responsible


Vielen Dank für Deine Zeit.

Dir und Deiner Familie in diesen aufregenden Zeiten nur das Beste – Bleibt gesund!

Peace out & bis nächste Woche.

Yannis von RENEWS

#future #living #renews


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ZUM WEITERLESEN:

Du hast weitere Fragen zum Passivhaus? Check das Passipedia – Das Wikipedia zum Thema Passivhaus: https://passipedia.de/start

Künstlerische Interpretation eines Passivhaus – Pixel Building Melbourne: https://www.rehau.com/au-en/construction/construction-references/pixel

Keinen Bock zu lesen? Video: Das Passivhaus in 90 Sekunden (Pinwheel):


Quelle: International Passive House Association (2018): Active for more comfort: Passive House https://passivehouse-international.org/upload/GRBR_EN_2018_Sammelmappe/files/downloads/GRBR_EN_2018_Sammelmappe.pdf (06.04.2020)


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