Mit gutem Beispiel voran! Dänemark als Vorbild in der EU


Um das maue Ergebnis aus Madrid wieder etwas zu kompensieren, gibt es heute ein paar gute Neuigkeiten. Diesmal kommen sie aus Dänemark. Dass die Dänen mit ihrer Fahrrad-Hauptstadt Kopenhagen und einer 35%-igen Reduktion von CO2-Emissionen als Vorbild in Klimafragen gelten ist klar. Was nun aber der neueste Geniestreich der dänischen Regierung ist und wie sie diesen umsetzen will, erfährst Du heute hier.


KLIMAPOLITIK DÄNEMARK – EU VORBILD

Nur wenige Tage nach der Europawahl Ende Mai diesen Jahres, welche als ‚Die Klimawahl‘ betitelt wurde, fanden auch in Dänemark die Wahlen statt. Am 05. Juni musste die alte Regierung unter konservativer Leitung ihre Niederlage einräumen und Platz für eine Neue machen. Wahlsieger wurden die Sozialdemokraten. Gemeinsam mit drei weiteren Partnern konnte überraschend schnell eine Regierung gebildet werden. Die neue Richtung mit Fokus auf Klimafreundlichkeit findet auch in der dänischen Bevölkerung großen Anklang. „Die globale Erwärmung war das wichtigste Thema während des Wahlkampfes in Dänemark.“, meint John Nordbo, Leiter der Abteilung Klimapolitik von CARE Denmark. Das liege vor allem an der Hitzewelle, der Dürre und den Waldbränden in Skandinavien im Sommer 2018. Dies habe „den Menschen die Augen geöffnet und ihnen gezeigt, dass der Klimawandel real und bereits in vollem Gange ist“.


Als eine der ersten Handlungen unter der neuen Regierung wurde nun ein neues politisches Programm beschlossen. Das Dokument mit dem Titel: „Eine faire Richtung für Dänemark“ beinhaltet sechs große Maßnahmen: Die Senkung der Treibhausgasemissionen um 70% bis 2030, die Einstellung des Verkaufs von neuen Benzin- und Dieselfahrzeugen ab 2030 und die Förderung von ehrgeizigeren Klimazielen in der EU sind dabei die Hauptziele.

Gemeinsam mit insgesamt sieben Partnern erhielt dieses 18-seitige Machwerk eine Mehrheit von 167 aus 179 Sitzen in der dänischen Regierung. Nachdem die alte Regierung noch alle Klimaziele fallen gelassen hatte, soll das aktuelle Programm „Dänemark in eine völlig neue Richtung lenken“, so die Regierungsparteien. Nachdem sich die EU bisher nicht auf ein verbindliches Ziel der Klimaneutralität bis 2050 einigen konnte, will Dänemark für Europa als Vorbild vorangehen, weiter Druck machen und natürlich 2050 auf jeden Fall selbst klimaneutral sein.


CLEVER: Damit auch zukünftige Regierungen nichts mehr am dänischen Klimapakt verändern können, haben die Politiker eine Klausel integriert, welche auch weitere potentielle Regierungen an die Ziele bindet! – Schlau gemacht ihr Dänen!


Dänemark sieht in dieser mutigen Entscheidung auch wirtschaftliche Vorteile. Im verabschiedeten Programm findet sich folgende Aussage: „Der Weltmarkt für den grünen Wandel wird immer größer. Um das Ziel der Begrenzung des Temperaturanstiegs zu erreichen, muss die Weltgemeinschaft in den kommenden elf Jahren gigantische 90.000 Milliarden Kronen [umgerechnet mehr als 12 Billionen Euro] in den grünen Übergang investieren.“ Dies sei eine „einzigartige Gelegenheit für dänische Unternehmen. Dänemark muss als grünes Unternehmerland bekannt sein.“

Dänemark hat also erkannt, dass der Umstieg auf klimaneutrale Technologien nur eine Frage der Zeit sein kann. Mit der frühzeitigen Umstellung des Landes, möchte Dänemark in Zukunft stark vom „Green-Business“ profitieren. Eine mutige und sehr lobenswerte Entscheidung, die bei der richtigen Umsetzung wohl in den kommenden Jahren enorme Finanzstärke nach Dänemark bringen könnte.


Ehrgeizige Ziele schön & gut, aber eine Frage bleibt. Wie plant Dänemark seine Ziele zu erreichen? Unter anderem so:

Die künstliche Energie-Insel vor Dänemark – Energieversorgung der Zukunft! Credit: Tagesspiegel

Ganz genau! So will Dänemark die Ziele erreichen. Als erstes großes Energieprojekt, legt die dänische Regierung gerade den Fokus auf genau diese, künstlich aufgeschüttete Insel.

„Diese Insel wird es möglich machen, erneuerbaren Strom im großen Stil umzuwandeln und die Energie zu speichern“, sagte Dänemarks Klima- und Energieminister Dan Jørgensen dem SPIEGEL am Rande der Weltklimakonferenz in Madrid (Spiegel Online, 12.12.2019).

Rund um diese Insel, sollen zahlreiche Windräder gebaut werden. Eine Gesamtleistung von circa 10 Gigawatt ist angepeilt. Der somit erzeugte Strom sollte dafür ausreichen, mehr als 10 Millionen Haushalte zu versorgen. Das ist sogar mehr als es überhaupt Einwohner in Dänemark gibt (5,7 Mio.). Der gewonnene Strom soll natürlich Dänemarks Bürger versorgen, aber auch auf der Insel gebündelt werden um dort mit Hilfe von „Power-to-X“ Technologien synthetische Kraftstoffe, nachhaltigen Wasserstoff und andere, speicherbare Energieformen zu erzeugen.


Eine erste Schätzung der Kosten für dieses Megaprojekt, beläuft sich derzeit auf circa 27-40 Milliarden Euro. Die Finanzierung sei aber kein Problem meinte der dänische Energieminister. Alleine in dänischen Rentenfonds seien 450 Milliarden Euro angelegt (Bloomberg – Spiegel Online, 12.12.2019), welche durch die aktuelle Zinssituation, nur darauf warten in einem Projekt mit wenigstens etwas Rendite angelegt zu werden. Dänemark ist bereits seit den 1990er Jahren in der Erneuerbaren Branche unterwegs und mit weltweit erfolgreichen Firmen wie Vestas Wind Systems A/S und Orsted A/S, sind sowohl erfahrene Hersteller als auch Betreiber vor Ort vereint. Somit scheint diese auf den ersten Blick recht größenwahnsinnige Projekt tatsächlich möglich.


Schon 2021 sollen die Genehmigungsverfahren, sowie die Standortsuche abgeschlossen sein. Danach wird direkt mit den Bauarbeiten begonnen werden. Für 2028 planen die Dänen nämlich 100% Erneuerbare Energie in ihrem Stromnetz zu nutzen. Je früher die ‚Energie-Insel‘ also betriebsbereit ist, desto besser für die neue politische Richtung Dänemarks.


UPDATE 2021: Die Genehmigung wurde erteilt, jedoch ist ein Rechtsstreit um die ökologischen Auswirkungen des Inselbaus entbrannt: Umstrittenes Bauprojekt Lynetteholm (SPIEGEL, September 2021)


Ehrgeizige Pläne erfordern auch ehrgeizige Handlungen! Lassen wir uns alle vom Unternehmermut der Dänen inspirieren. Die Schlacht gegen den Klimawandel ist nicht verloren – Wir müssen nur endlich anfangen zu handeln! Auf geht’s!

Vielen Dank für’s Reinschauen.

Einen schönen Tag & stay renewable!

Gruß,

Yannis von RENEWS

#denmarkftw


ZUM WEITERLESEN:

Aktueller Stand aus Deutschland – Im Klima-Ranking hinter Indien: https://www.welt.de/politik/ausland/article204184768/Index-von-Umweltorganisationen-Deutschland-liegt-beim-Klimaschutz-hinter-Indien.html

Power to Gas – So funktioniert’s: https://www.powertogas.info/power-to-gas/die-technologie/

So ernst ist den Dänen das Klima – 19-Jähriger auf Hungerstreik: http://sh-ugeavisen.dk/index.php/2019/05/17/19-jaehriger-fordert-mit-hungerstreik-bessere-klimapolitik-in-daenemark/


Quelle 1: EURACTIV – Online (2019): Dänemark: Neue Regierung prescht mit höchst ehrgeiziger Klimapolitik vor https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/daenemark-neue-regierung-prescht-mit-hoechst-ehrgeiziger-klimapolitik-vor/ (13.12.2019)

Quelle 2: Der Spiegel – Online (2019): Dänemark plant künstliche Energieinsel zur Herstellung von Wasserstoff https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/daenemark-plant-kuenstliche-energie-insel-zur-herstellung-von-wasserstoff-a-1300931.html (13.12.2019)


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